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06.07.2018, 11:05 Uhr
Michael Ruhl (CDU): „Das Ehrenamt braucht genug Raum, um auch ausgeübt zu werden“
Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU zur aktuellen Sicherheitslage - Diskussionsforum „Sicherheit und Ehrenamt“ mit Vertretern der ehrenamtlichen Hilfsorganisationen Feuerwehr, DRK und THW
ALSFELD / VOGELSBERGKREIS. Wie steht es um das Ehrenamt in den Hilfsorganisationen? Wie kann man dieses Ehrenamt stärken? Und wo steht die Politik in der Pflicht, ihre Arbeit besser zu machen? Um diese und andere Fragen zu beantworten, hatte der Vogelsberger CDU-Landtagskandidat Michael Ruhl zum Diskussionsforum „Sicherheit und Ehrenamt“ mit dem hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) eingeladen.
Klares Bekenntnis zum Ehrenamt beim CDU-Forum (von links):Die Vertreter der ehrenamtlichen Hilfsorganisationen Jochen Weppler (THW), Dr. Sven Holland (Feuerwehr), Norbert Södler (DRK) sowie der CDU-Landtagskandidat Michael Ruhl und Hessens Innenminister P
Von den Hilfsorganisationen waren hochkarätige Podiumsteilnehmer der Einladung Ruhls gefolgt, nämlich der Landesvorsitzende des hessischen Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Norbert Södler, Dr. Sven Holland als Vorsitzenden des Vogelsberger Kreisfeuerwehrverbandes sowie der Kreisbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) Jochen Weppler.

Michael Ruhl machte in seinem Eingangsstatement klar, dass er selbst als aktiver Feuerwehrmann der Herbsteiner Einsatzabteilung die Arbeit der ehrenamtlichen Hilfsorganisationen bestens kenne. So verdeutlichte der Bundesbankoberrat, dass die Zahl der Ehrenamtlichen immer weiter zurückgehe, die Anforderungen an Hilfsorganisationen aber stetig steigen. So seien die Ausbildungseinheiten sehr zeitaufwendig und Arbeitgeber müssen im Einsatzfall und teilweise in der Ausbildung auf ihren Mitarbeiter verzichten. Zugleich nehmen Ortsvereine kulturelle Aufgaben war, schließlich zeigten sich oftmals die Feuerwehrvereine für die gesellschaftlichen Veranstaltungen in den Dörfern verantwortlich. Dies alles münde in Herausforderungen an die Gesellschaft und Politik.

Der hessische Innenminister Peter Beuth stellte hierzu zunächst in einem Impulsvortrag fest, dass der Vogelsbergkreis und Laubach genau das in Wiesbaden brauchen, was Michael Ruhl ausmacht „Einen engagierten Feuerwehrmann als Nachfolger von Kurt Wiegel, der die Sorgen des Ehrenamts aus eigener Erfahrung kennt“. Der Innenminister machte anschließend deutlich, dass er seine Aufgabe darin sieht, dass sich die hessischen Bürger im Alltag sicher fühlen sollen. Die Erfolge der CDU-geführten hessischen Landesregierung können sich dabei sehen lassen. Man habe nun die höchste Aufklärungsquote von Straftaten, seitdem es die Kriminalstatistik gebe, die Einbruchzahlen gehen stetig zurück und die Kriminalitätsbelastung sei die geringste seit 1979. Zu Beginn des Jahrtausends sei Hessen noch bundesweit im unteren Mittelfeld gewesen bei der Kriminalitätsbelastung, seitdem jedoch die CDU die Landesregierung anführt, habe man sich Stück für Stück nach vorne gearbeitet und nach Bayern und Baden-Württemberg mittlerweile Platz 3 eingenommen.

Nicht nur die Polizei werde immer besser ausgestattet, auch die rund 80.000 ehrenamtlichen Hilfskräfte in Hessen bekommen wegen steigender Anforderungen wie Brände oder Naturkatastrophen immer mehr Zuwendungen aus Wiesbaden. Man müsse die Ehrenamtlichen aber nicht nur gut ausrüsten, sondern auch in anderen Bereichen unterstützen. „Die 80.000 Ehrenamtlichen Hilfskräfte sind ein Schatz für das Land“, stellte Beuth stolz heraus. Deshalb müsse man für das Ehrenamt werben und es mit dem Lebensalltag der Ehrenamtlichen vereinbar machen. „Wenn ein Feuerwehrmann bei der Alarmierung erst darüber nachdenken muss, ob er es sich leisten kann, den Arbeitsplatz zu verlassen und zum Einsatz zu fahren, ist es bereits zu spät“, so Beuth. Ehrenamtliche Hilfskräfte bräuchten aber auch gesellschaftliche Wertschätzung. Es sei deshalb eine Schande, wenn bei Großeinsätzen, wie bei der Einweihung der EZB-Zentrale in Frankfurt, Polizisten und Feuerwehrleute von Linksradikalen und Chaoten angegriffen werden. Die Landesregierung strebe deshalb eine weitere Strafverschärfung bei Angriffen auf Hilfsorganisationen an. „Diejenigen, die in den Einsatz gehen, müssen sich sicher sein, dass der Staat alles tut, um sie zu schützen.“

Bei der anschließenden Diskussion macht DRK-Landesvorsitzender Norbert Södler deutlich, dass die zeitaufwendige Grundausbildung für einen Einstieg in die ehrenamtliche Arbeit abschreckend wirken kann. Nichtsdestotrotz, und hier waren sich alle Podiumsteilnehmer einig, dürfen deshalb die Ausbildungsstandards nicht gesenkt werden. Södler machte deutlich, dass die Wertschätzung des Ehrenamts durch die hessische Landesregierung vorbildlich sei, was sich auch bei der geplanten Änderung der Landesverfassung zeige. „Die Verfassungsänderung sieht vor , dass das Ehrenamt künftig vom Staat geschützt und gefördert wird“, so Södler. Auf Nachfrage Michael Ruhls zu den Lehrgangsangeboten machte Jochen Weppler deutlich, dass den motivierten und interessierten Nachwuchskräften und Quereinsteigern keine bürokratischen Hindernisse im Weg stehen dürften. So müsse es möglich sein, dass zum Beispiel ein Diplom-Bauingenieur im Einsatzfall als Bausachverständiger eingesetzt werden dürfe, auch wenn er noch keinen THW-Grundlehrgang  besucht habe.

Der Vogelsberger Feuerwehrchef Dr. Sven Holland machte deutlich, dass es unglücklich sei, wenn Kapazitäten in der Landesfeuerwehrschule nicht für alle Lehrgangsinteressierten ausreiche, die jedoch Grundvoraussetzung für Führungsfunktionen in einer Wehr sind. Peter Beuth erläuterte hierauf, dass das Land in diesem und nächsten Jahr rund 5,5 Millionen Euro in die Schule investiere, um die Kapazitäten zu erhöhen. Zur Nachwuchsgewinnung arbeite sein Ministerium momentan eng mit dem Kultusministerium zusammen, um geplante Kooperationen zwischen Hilfsorganisationen und örtlichen Schulen möglich zu machen. Alle Podiumsteilnehmer beklagten, dass die Änderung einer Lebenssituation, zum Beispiel ein Studium oder ein Umzug, die Ausführung des Ehrenamts erschweren könnten. Der Appell des CDU-Landtagsbewerbers Michael Ruhl war schließlich, dass Politik und Gesellschaft den notwendigen Raum für die Ausübung des Ehrenamtes geben müssen. „Ehrenamtliche Hilfskräfte sollen sich auf ihre Tätigkeit konzentrieren können und nicht mit bürokratischen Anforderungen belastet werden.“

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